Internatsschule Schloss Hansenberg

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Schule

Auslandspraktikum

Betriebswirtschaftliches Auslandspraktikum für die Jahrgangsstufe 12 2006

Vier Wochen Betriebspraktikum im Ausland – und dann erwachsen!?

Heutzutage schickt es sich, als Schülerin oder Schüler der Oberstufe (am besten jede Ferien) ein möglichst umfang-, und selbstverständlich erfolgreiches Praktikum zu absolvieren. Am Ende dieser – ehemals Pennälerzeit genannten – Lebensperiode sollte ein junger Mensch dann hoffentlich einige sehr gute Praktikumszeugnisse besitzen und sie für seine Bewerbungen nutzen. Doch zählt nicht etwas ganz anderes bei einem Praktikum als diese tollen Zertifikate?

Offensichtlich ist natürlich die professionelle Orientierung im Hinblick auf das Studium bzw. die spätere Berufswahl. Diese erhält man ggf. aber auch bei der Verrichtung von „normaler“ Praktikantenarbeit, da die genaue Beobachtung des Firmengeschehens einen guten Einblick gibt, in Betriebsstrukturen im Allgemeinen oder einen bestimmten Berufszweig im Besonderen. Häufig kann man vorhandenes Wissen einbringen oder gar neue, weiterführende Erkenntnisse erlangen. Das zählt m. E. viel.

Ein gutes Auslandspraktikum aber beinhaltet noch viel mehr. Man lernt die „typische“ Arbeitsweise in einem anderen Land kennen. Damit bekommt man auch einen intensiven Einblick in eine andere Lebensart und Denkweise, eine fremde Kultur. Das ist gut für die Erweiterung des Blickfelds und die Herausbildung von Toleranz. Zudem lernt man – wie bei allen Praktika – zwangsläufig neue Menschen kennen und es lassen sich eventuell hilfreiche Kontakte für das spätere Berufsleben knüpfen. Das ist sicher nicht unerheblich.

Mit dem Kennen lernen neuer Menschen und Kulturen ist auch ein besseres, vertieftes Menschenverständnis verbunden. Dies ist nicht die geringste Fähigkeit, die bei einem Praktikum sehr gestärkt wird. Auch die Kenntnis und Einschätzung der eigenen Persönlichkeit wird entscheidend verbessert. Dies führt zu einem differenzierteren Selbstverständnis, verbunden mit der eigenverantwortlichen Übernahme von Verantwortung für das Handeln im Ausland. Man muss ja mit seinen noch jungen Jahren im Ausland (fast) alles selbst entscheiden und verantworten. Im Idealfall eines sehr guten Praktikumsplatzes mit wohl durchdachtem und ausgeführtem Praktikumsplan steigt mit der Übertragung anspruchsvollerer Aufgaben das eigene Selbstbewusstsein enorm, die Selbstständigkeit und das Selbstvertrauen, und damit die eigene Lebensfähigkeit. Das ist sehr viel.

Doch was erreichte das Zusammentreffen dieser ganzen Vorteile im Zusammenhang mit uns als 16- bzw. 17-jährige Praktikantinnen bei BYK-Cera in den Niederlanden? Dazu müssen wir zuerst den Inhalt unseres Praktikums kurz berichten. Der Praktikumsplan hatte den oben erwähnten Charakter eines „Idealfalls“, wir durchliefen mehrere Stationen und hatten auch „eigenes Projekt“ zu bearbeiten.

An den ersten beiden Tagen wurden wir durch das sog. „Wachstraining“ mit vielen neuen Informationen und aktuellen Problemen der Forschung konfrontiert, sodass wir von Anfang an das Gefühl hatten, in das Betriebsgeschehen integriert zu sein. Zudem bereitete uns die Tatsache, dass unsere Ideen und Kreationen am Tag der offenen Tür in der 1. Woche Verwendung fanden, eine große Vorfreude auf unser Projekt in den folgenden drei Wochen. In dieser längeren Zeit bemerkten wir, wie anstrengend und ernüchternd doch die Arbeit an einem solchen Projekt manchmal sein kann.

Unsere Aufgabe war die Grundsteinlegung für eine noch nicht existierende, neue Art der Datenauswertung zu ersinnen. Wir waren sehr lange und intensiv damit beschäftigt, die Ergebnisse unseres Projektes zu erarbeiten und vorzustellen. Das zeigte uns hautnah Freud und Leid des Arbeitsalltags in einer niederländischen chemischen Unternehmung.

Glücklicherweise gab es immer freundliche, einfallsreiche und sehr aufmunternde „Kollegen“ im Betrieb, die uns wieder zur Arbeit motivierten, auch wenn wir manchmal den Bildschirm vor lauter Klebezettel nicht mehr sehen konnten. Einige Male bildete auch ein Schreibtischstuhlrennen eine lustige und sportliche Abwechslung. Das vielfältige Abend- und Wochenendprogramm mit unterschiedlichen Mitarbeitern führte zu einem nicht arbeitslastigen Alltag. Eine für uns sehr wichtige Erfahrung: Anspannung und Entspannung im Arbeitsleben bildeten eine schöne Balance.

Diese 4 Wochen Betriebspraktikum im Ausland bildeten auch in unserem Leben weitere Stufen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Neben unseren Tätigkeiten wurden uns zukünftige Möglichkeiten aufgezeigt. Und die Tatsache, dass auch der Spaß für ein gutes Betriebsklima nicht fehlen sollte. Für uns waren dies in der Tat vier Wochen, die uns beim „Erwachsenwerden“ weiter halfen. Ohne dass wir uns „stieren Blicks“ auf unser „berufliches Selbstkonzept“ oder Zertifikat, Zeugnis und Karriere fixierten. Und das ist doch ganz sicher sehr, sehr viel mehr wert!

Janine George und Kristin Leyerer, Klasse 12

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